Beachtet Mit der Ankündigung des Regierungschefs, ein Blockchain-Gesetz schaffen zu wollen, das weitergeht als in anderen Ländern, hat sich Liechtenstein in der Szene definitiv einen Namen gemacht. Die Resonanz ist sehr positiv.

Es mag kleiner sein als Brooklyn, aber Liechtenstein arbeitet an etwas sehr Grossem, kommentierte jüngst das «Forbes» Wirtschaftsmagazin die Bestrebungen Liechtensteins, sich als Krypto- und Blockchain-Standort zu etablieren. Die Augen auf Liechtenstein gelenkt hatte Erbprinz Alois mit einem Interview, das er Ende Februar dem britischen Sender CNBC gegeben hatte. Kryptowährungen seien ein Feld, das man genauer beleuchten sollte, sagte der Erbprinz. Zwar sei bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen noch vieles offen und daher eine Investition riskant, die Blockchain-Technologie hingegen sei sehr interessant und werde viele Branchen und Unternehmen in Zukunft verändern. «Die attraktiven Elemente der Blockchain-Technologie könnten genutzt werden, um den Staat und dessen Verwaltung effizienter zu gestalten», so der Erbprinz im Interview, das in der Szene für Aufsehen gesorgt hat und dahingehend interpretiert wurde, dass das Fürstenhaus darüber nachdenke, einen Teil des Vermögens in Kryptowährungen zu investieren.

«Godfather of Ethereum» wählt Liechtenstein als Standort

Ebenfalls für gute Presse sorgte ein weiterer prominenter Fürsprecher: Yanislav Malahov – in der Kryptowelt ehrfürchtig «Godfather of Ethereum» genannt. Malahov war an der Entwicklung der zweitgrössten Kryptowährung der Welt beteiligt. Unterdessen baut er eine neue Blockchain mit dem Namen Aeternity – Hauptsitz  es Unternehmens ist in Vaduz. Hierzulande seien die Voraussetzungen geradezu optimal, schwärmte der «Godfather» gegenüber «Forbes». Weiter sagte Malahov,  man könne in Liechtenstein sogar auf Basis der Kryptowährungen Bitcoin oder Ethereum ohne eigenes Bankkonto eine neue Firma gründen. Auch die auf monatlicher Basis stattfindenden Krypto-Meetups in Vaduz scheinen ihn zu beeindrucken. Trotz der geringen Grösse der Nation nähmen daran stets mehrere Hundert Personen teil, schwärmte Malahov im Interview.

Gesetz verleiht neuen Schub

Und bei den Teilnehmern dieser Meet ups herrscht  Aufbruchstimmung. Das vom Regierungschef angekündigte Blockchain-Gesetz erntet in der Szene viel Zuspruch. «Es ist eine erstmalige Sache und Liechtenstein nimmt dabei eine  Vorreiterrolle ein. Umso wichtiger, dass man es sorgfältig angeht. Ich bin in einem Teilbereich involviert und finde es höchst interessant, was da passiert», sagt beispielsweise Philipp Büchel vom Blockchain Büro. Ähnlich tönt es von Florian Batliner, Mitgründer der Firma Chainium: «Allein schon an den vielen positiven Reaktionen aus aller Welt kann man erkennen, dass das Vorhaben auf fruchtbaren Boden fällt. Ich persönlich halte die Initiative für gut und richtig, weil ich überzeugt bin, dass ein solches Gesetz Liechtenstein helfen wird, sich in diesem neuen Markt an der Spitze zu positionieren.» Auch Klaus Stark, Mitinitiator der Meetups in Vaduz, erkennt einen «Run» auf Liechtenstein, weil es eines der ersten Länder sei, das den Chancen und Risiken dieser Technologie offen gegenüberstehe. Die Konkurrenz arbeite teilweise mit wenig Know-how und «unsauber». Hier müsse sich Liechtenstein klar abgrenzen und sich im hochqualitätssegment positionieren. «Im Wilden Westen werden wir uns nicht durchsetzen können. Die Kombination sauberer Finanzplatz und sauberer Kryptoplatz kann für Liechtenstein ein absoluter Glücksfall werden», ist Stark überzeugt. Wie im Finanzwesen müsse Liechtenstein hier Musterknabe sein. Gelingt dies, sieht er Chancen für diverse Branchen. Auch Sigvard Wohlwend, Pressesprecher der Bank Frick, ist überzeugt, dass sich Liechtenstein international einen Namen als Standort im Kryptobusiness machen kann. «Bank Frick gilt in der Branche – in aller Bescheidenheit: zu Recht – als führende Bank in Europa, wenn es um seriöses Blockchain-Banking geht. Mit dem geplanten Blockchain-Gesetz können wir das ganze Land als führend in Europa etablieren.» Wohlwend mahnt: «Wichtig ist aber, das Tempo hochzuhalten, damit uns nicht andere Standorte überholen. Denn auch anderswo hat man das Potenzial erkannt.»

Erschienen im Liechtensteiner Volksblatt. Von Doris Quaderer